Zwei Seiten des Teppichs

Zwei Freunde sprachen viele Abende lang miteinander über das Böse in der Welt.Eines Abends, als sie schon manche Antworten gefunden und doch immer wieder verworfen hatten, fiel durch eine Unachtsamkeit ein kleiner Teppich, der auf der Fensterbank lag, zur Erde. Der eine der beiden Freunde hob ihn auf und legte ihn wieder an seinen Ort; der andere aber sagte: "Du hast den Teppich versehentlich falsch hingelegt, die schöne Seite muss nach oben, die hässliche nach unten."

Nun schauten sie den Teppich genauer an. Er war handgeknüpft und hatte auf der Oberseite ein herrliches Muster in leuchtenden Farben, eine echte Kostbarkeit. Auf der Unterseite aber sahen sie nur Fäden und Knoten, abgeschnittenes Garn und ein ganz und gar durcheinandergebrachtes Farbenfeld, kurzum, wenn sie die wirre Unterseite anschauten, konnten sie sich kaum eine Vorstellung von der schön geordneten Oberseite machen.

Da wurden die beiden Freunde still und beendeten vorerst ihre Gespräche über das Böse in der Welt. Sie dachten nämlich:


Vielleicht ist es mit unserem Leben wie mit diesem Teppich. Während wir Menschen noch ratlos vor den Verstrickungen des Lebens stehen, hat die Weisheit Gottes uns längst alle Herrlichkeit gewebt.

Autor unbekannt

 

(gefunden von Helga Bräutigam)

Der starke Arm Gottes

Vor einigen Wochen wünschte ich mir an dieser Stelle in Coronazeiten in den Vatikanischen Museen eingeschlossen zu werden. In alleiniger Ruhe wollte ich zum Beispiel Michelangelos Deckenfresko in der Sixtinischen Kapelle so ungestört betrachten können bis es sich mir voll und ganz erschlösse. Wenn das überhaupt geht!

Durch ein Radiofeature über „Die Lücke zwischen den Fingerspitzen“ bin ich wieder einmal auf Michelangelos berühmtes Fresko „Die Erschaffung Adams“ aufmerksam geworden. Sie kennen die Szene sicher: Links der muskelbepackte Adam auf einer Wiese chillend, der seinen schönen Körper ausstellt. Seinen linken Arm macht er lang und länger und streckt seine Hand seinem Schöpfer entgegen. Indes ist sein Zeigefinger nicht gestreckt, sondern hängt leicht nach unten. Von der rechten Seit reckt sich ihm Gottes starker Arm entgegen. Sein Zeigefinder ist ganz durchgestreckt und erreicht Adams fast. Nur eine kleine Lücke bleibt zwischen beiden Fingern. Gott scheint gegen Wind und Widerstand anzukämpfen, sucht gar Halt und Gleichgewicht bei den ihn umgebenden Engeln.

In der biblischen Schöpfungsgeschichte ist diese Szene nicht bezeugt. Da ist vom Ackerboden die Rede, aus dem Gott Adam geformt und ihm danach durch die Nase Leben eingehaucht habe. Wir wissen längst, dass der Mensch anders in die Welt gekommen ist. Wer aber je eine Geburt erlebt hat, wird sicher von einem Wunder angefasst gewesen sein. Und es fällt gar nicht so schwer zu glauben, dass Gott da seine Finger im Spiel gehabt haben muss.

In Michelangelos Fresko geht es aber nicht um die Darstellung der Schöpfungsgeschichte, sondern um eine Beziehungsgeschichte zwischen Gott und Mensch. Gott strengt sich ungeheuer an und gibt dadurch dem Menschen das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, wenn er ihn in sein Leben entlässt. Er gibt ihm Vertrauen und Hoffnung mit auf den Weg und das Gefühl: Der Arm, der dir deinen Weg weist, ist stark genug dich auch zu halten. Dieses Angebot kann Mensch getrost annehmen.

Der ältere Michelangelo drückte es in einem Gedicht so aus:

„Herr, ganz zuletzt / Nimm mich mir selbst, dass nur Dein Arm mich hält, / Mach mich zu einem, der Dir wohlgefällt.“

 

von Albrecht Ackermann

nothing else matters

 10. Juni 2020

 

Es war die Zeit, die unbeschwerte Zeit, die Zeit, als gefühlt alles möglich war.

Er war mein Freund, er war mein bester Freund.  Als ich ein kleiner Junge war, da lernten wir uns kennen, ja er hat mit seinen Kumpels mein Dreirad entführt, und es war meiner Oma zu verdanken, dass ich das doch schnell wieder zurückbekommen habe.

 

Wir wurden Freunde, damals, und wir hatten die Leidenschaften für Fußball und zwar nur für den VfB Stuttgart, und für Rockmusik. Wir waren unterwegs, im Stadion, und bei vielen Konzerten, wir waren, so sagte er mir mal, gefühlt, wie Brüder.

 

Wir waren zusammen, unterhielten uns, wir lebten uns. Aus einer Laune heraus schworen wir uns, wenn einer von uns stirbt, dann hat der andere die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass der Song „Nothing Else Maters“ von Metallica gespielt wird. Das war ein Schwur, besiegelt mit ein paar Bierchen.

 

Leider wurde der Schwur für mich im Jahr 2007, als mein Freund einfach so verstorben ist, wahr. Bei der Trauerfeier spielten Metallica den Song Nothing Else Maters, für ihn, meinen verstorbenen Freund, für mich, und für alle, die dabei waren, für uns alle, irgendwie dann doch, in Tränen versunken.

 

Es ist schon einige Zeit her, aber unvergessen. Den Song mag ich gar nicht mehr so gern hören, aber mich daran erinnern, das tue ich immer und immer wieder. Letztes Jahr in Berlin, beim Konzert von Metallica, war er wieder da, der Song, und derzeit höre ich,

bevorzugt im Auto, gern in das Lied wieder rein, übersetzt mit den Worten:

 

So nah, egal, wie weit entfernt

Es könnte nicht viel stärker von Herzen kommen.
Vertraue ewig darauf, wer wir sind
Und nichts anderes ist von Bedeutung.

Noch nie habe ich mich in dieser Form geöffnet.
Es ist unser Leben, wir leben es auf unsere Weise.
All diese Worte, die ich nicht nur einfach so sage
Und nichts anderes ist von Bedeutung.

Vertrauen suche ich und finde es in dir.
Jeden Tag etwas Neues für uns.
Offen für eine andere Betrachtungsweise
Und nichts anderes ist von Bedeutung.

 

Worte an einen Freund, der lange tot, aber nie vergessen ist.

 

(Sandro Staiger)

Wochensegen

3. Juni 2020

Der HERR segne dich und behüte dich;der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

4. Mose 6, 24-26

Der aaronitische Segen hat eine Seite, die ich persönlich als sehr bereichernd empfinde. Die dreifachen Segensworte sind nämlich im persönlichen Glaubensleben jüdischer Familien fest verankert. Jeden Freitag segnet der Vater oder auch beide Eltern zu Beginn des Sabbats die Kinder. Ganz im Privaten - in der eigenen Wohnung, im eigenen Haus. Dazu legt man die Hände auf deren Kopf. Mädchen wird gewünscht, dass Gott sie machen möge wie Sara, Rebekka, Rachel und Lea. Jungen, dass Gott sie mache wie Ephraim und Manasse. Danach wird der Priestersegen über Mädchen und Junge gesprochen. „Der Herr segne Dich und behüte Dich …..“ Jeden Freitag.

 

Aus der Predigt zum nächsten Sonntag Trinitatis (7. Juni) von Prädikant Werner Kemmler.

 

 

Diese Wochenstruktur nehmen wir zum Anlass, diese Rubrik der "Gedanken zum Tag" einen neuen Turnus zu geben.
Ab sofort finden Sie hier mittwochs "Gedanken zur Woche".

 

 

2. Juni 2020

Halt mich

Die Martinskirche ist derzeit täglich geöffnet und lädt ein sich dort aufzuhalten, zu verweilen und in der Stille seine Gedanken schweifen zu lassen. Das ist gut so und es ist schön, sich einfach mal umzuschauen, die Gedanken fließen, mir fallen dabei Zeilen eines Songtextes ein.

Halt mich
Komm lass mich nicht mehr los

Ich gehe ein paar Schritte auf den Altar zu und setze mich in eine der vorderen Bänke, betrachte das Kreuz mit der Jesusfigur, mitten im Raum, durch das Glas der Fenster fällt buntes Licht. Jesus ist tot, sein Kopf ist nach links geneigt, die Qualen sind überwunden.

Auch wenn die Welt stillsteht.

Ich habe gelesen, dass das Kruzifix in der Spätgotik angefertigt worden ist und dass die Arme des Gekreuzigten beweglich sind, sodass die Karfreitags- und Osterliturgie, also Kreuzabnahme, Grablegung und Wiederanbringung körperlich nachvollzogen werden konnte. Das habe ich bisher nicht gewusst.

Komm lass mich nicht mehr los
Bevor du wieder gehst

Spätgotik also, so im Zeitraum von 1350–1500, da ist er entstanden, der Erlöser, gestorben am Kreuz, für mich mit einer ganz besonderen Ausstrahlung. Ich betrachte das Kreuz eine ganze Weile, dabei breitet sich in mir eine innere Ruhe aus, es entsteht ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit. 

Auch wenn wir untergeh'n
Bis wir uns wiederseh'n

Das Kruzifix steht im Mittelpunkt, auch hier in der Martinskirche, es bringt den Kern unseres christlichen Glaubens zum Ausdruck, Erlösung der Menschen von den Sünden durch den Tod Christi und den Sieg Christi über den Tod durch die Auferstehung, vom Künstler schlicht und ausdrucksvoll gestaltet.

Halt mich

(Sandro Staiger) 

Pfingstmontag, 1. Juni 2020

Wörtersalat GEIST

zum Spiel von gestern:

 

STEIG

IGITT

SITTE

TEIG

SEI

EIS

TEST

SEIT

ISS

EI

SIEG

STEG

SIE

GESTE

 

Weitere Wörter aus G, E, I, S und T bitte an: cordula.modrack@elkw.de

Pfingstsonntag 31. Mai 2020

Spiel zu Pfingsten

 

An Pfingsten kommt Gottes GEIST herab. Er bringt ungeahnte Worte heraus, führt Menschen zusammen und stiftet auch etwas Verwirrung.  (nachzulesen in Apostelgeschichte 2).

 

Hier kommt dazu ein Pfingstspiel – allein oder zu mehren zu spielen.

Die Anleitung:

1.       Bildet möglichst viele Wörter aus den Buchstaben G, E, I, S oder T. Es müssen nicht alle fünf Buchstaben vorkommen.

2.       Lest die neu entstandenen Wörter laut vor.

3.       Tauscht euch aus: Welches Wort spricht euch gerade an? Habt ihr eine Vermutung, warum gerade dieses Wort euch anspricht? Woran denkt ihr dabei spontan? (Für Menschen, die allein spielen: Schreibt es auf.)

4.       Schaut morgen nochmal in die Rubrik rein, da kommen einige Wörter aus G, E, I, S und T. Vielleicht gibt es welche, auf die ihr noch nicht gekommen seid? Dann spielt nochmal von vorn!

 

Ich wünsche allen, dass Gottes Geist aufrüttelt und Menschen zusammenbringt.

Gesegnete Pfingsten!

Pfarrerin Cordula Modrack

30. Mai 2020

Zu gern

 

Zu gern

Diese Worte schallen durch meinen Kopf als ich den Song mit gleichnamigem Titel der Band RAUM27 höre.

Zu gern – würde ich nun mit meinen Freunden im Park in der Sonne sitzen und

mich mit ihnen über die letzten Wochen und über unser Leben unterhalten.

Zu gern – würde ich eine Weltreise machen und neue Kontinente entdecken.

Zu gern – würde ich auch einfach meine Familie und Freunde in einer anderen Stadt besuchen und in den Arm nehmen.

Zu gern – würde ich mich nicht ständig sagen hören: „Ja, vor Corona habe ich dies und das gemacht.“

Zu gern – wüsste ich, ob die zweite Welle der Infektion noch kommen wird oder ob nun wieder alles normal wird.

Allzu gern – würde ich mich nicht mehr beschweren, denn alles hat seinen Sinn. Doch morgen habe ich den Sinn schon wieder vergessen und ich fange wieder an darüber nachzudenken.

 

(Ingalisa Alsmeier)

29. Mai 2020

Überraschende Begegnungen

 

Ich traf einen jungen Mann,

kerngesund, modisch gekleidet, Sportwagen,

und fragte beiläufig, wie er sich fühle:

Was 'ne Frage, sagte er, beschissen!

 

Ich fragte, ein wenig verlegen,

eine schwerbehinderte ältere Frau

in ihrem Rollstuhl, wie es ihr gehe:

Gut, sagte sie, es geht mir gut.

 

Da sieht man wieder, dachte ich

bei mir, immer hat man

mit den falschen Leuten Mitleid.

 

Lothar Zenetti

28. Mai 2020

In der Stille redet Gott

 

Als mein Gebet immer andächtiger

und innerlicher wurde,

da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.

Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde, was womöglich noch

ein größerer Gegensatz zum Reden ist,

ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst, Beten sei Reden,

Ich lernte aber, dass Beten nicht nur Schweigen ist,

sondern Hören.

So ist es: Beten heißt nicht, sich selbst reden hören.

Beten heißt still sein und warten,

bis der Betende Gott hört.

 

Søren Kierkegaard

27. Mai 2020

Zitronen

Zitronen sind teuer geworden. In den letzten Wochen ist ihr Preis wahrlich spürbar gestiegen. Nicht nur bei Biozitronen, auch bei der konventionell erzeugten Ware ist dies feststellbar.

Aber ein Gin-Tonic schmeckt, wie so vieles, nicht ohne Zitrone.

Das ganze System der Zitronenernte habe sich seit Corona geändert, erklärt ein spanischer Plantagenbesitzer in einem in einer Nachrichtensendung ausgestrahlten Interview. Hier müssen Sicherheitsmaßnahmen eingehalten werden. Die Erntehelfer werden nun in einem Reisebus zur Plantage gebracht, beim Pflücken muss darauf geachtet werden, dass Abstand eingehalten wird. Ein Mundschutz ist nicht vorgeschrieben, aber wer will, kann einen tragen.

Den Mundschutz müsse er dann auch noch besorgen.

Jeder Erntehelfer sei jetzt in einem eigenen Raum untergebracht, habe somit ein eigenes Zimmer und es werde streng auf Hygiene geachtet.

Ich sehe in dem Filmbeitrag, wie früh morgens, irgendwo in Spanien ein Reisebus am Eingang einer Zitronen Plantage anhält. Baum um Baum reiht sich dort auf einer riesigen Fläche. Ein gutes Dutzend Erntehelfer, junge Männer aus Marokko, steigen aus und beginnen mit der Arbeit.

Alles ist viel teurer geworden, wir können die Jungs nicht mehr in der Sammelunterkunft unterbringen und dürfen Sie nicht in einer Gruppe in die Transporter packen. Das alles kostet uns Geld. Es dürfen keine Überstunden gemacht werden, und dadurch wird dann auch weniger geerntet.

All das sei ärgerlich, äußert sich der Plantagenbesitzer und resümiert, dass deshalb die Zitronen einfach teurer verkauft werden müssen.

Zitronen werden also teurer, weil die Menschen, die sie ernten, so untergebracht und versorgt werden, wie ich es als normal empfinde. Das macht mich nachdenklich, insbesondere die Aussage, dass dies ärgerlich sei.

Mir fällt dazu ein Zitat aus dem Buch Jakobus ein. Jakobus, über dessen Grab im 9. Jahrhundert eine Kapelle, später eine Kirche und schließlich die Kathedrale errichtet wurde, um die herum sich der Pilgerort Santiago de Compostela entwickelte und um dessen Person sich in gerade Spanien zahlreiche Legenden ranken.

„Das ist nicht die Weisheit, die von oben herabkommt, sondern irdisch, menschlich und teuflisch.“

Vielleicht nehmen wir die Weisheit, die von oben herabkommt an, dann werden wir feststellen, dass der höhere Preis für Zitronen der bessere Preis ist.

(Sandro Staiger)

 

26. Mai 2020

Das Schlechte ist schlecht genug

Erika Freemann ist eine 92-jährige Psychoanlaytikerin in New York. Der Corona-Krise, die in der Weltstadt furchtbar wütet, ist sie entkommen, weil sie zufällig Anfang März in Wien war.  Vor 82 Jahren entkam sie vor den Nationalsozialisten und floh als zehnjährige Jüdin alleine von Wien nach New York. Trotz der aktuellen Krise sagte sie in einem Interview mit dem ZEIT-Magazin, man solle immer versuchen das Positive zu sehen, auch jetzt:

 

"Das sollte man tun! Wenn du fröhlich und glücklich bist, produziert dein Gehirn Stoffe, die dich gesund halten. Das zahlt sich also aus. Und so oder so: Unglücklich zu sein macht dich auch nicht schlauer. Aber es gibt natürlich Leute, die sich selbst gerne bemitleiden. Und die Situation jetzt liefert einen guten Vorwand dafür.

(Diese Menschen…) sollten jetzt froh sein darüber, dass sie niemanden sehen müssen, den sie nicht sehen wollen. Es gibt das Telefon, um soziale Kontakte zu pflegen, und für viele meiner Patienten auch den Computer. Ich sehe das als persönliche Freiheit, nicht als Isolation. Ich kann niemand anderen für die Situation verantwortlich machen. Das Schlechte ist schlecht genug, da kann man sich auch auf das Gute konzentrieren. Natürlich können sich einige mehr vor der Krankheit schützen als andere. Aber wenn Sie alles getan haben, was sie tun können, um sich zu schützen, dann ist der Rest Schicksal."

Ich würde es etwas anders ausdrücken: … dann ist der Rest Gottvertrauen und sein Fügen.

(Albrecht Ackermann)

25. Mai 2020

Die Glücksliste

Ich habe schon lange eine Postkarte aus dickem Karton, sie liegt in meinem Schreibtisch und neulich habe ich sie wiedergefunden. Darauf steht

Glücksliste für trübe Tage

in der Dusche laut singen - lecker frühstücken - Jahreszeiten spüren – einem Fremden zulächeln – Gedicht auswendig lernen – barfuß laufen – Blut spenden – mit Freunden kochen – mal keine Kalorien zählen – Lieblingskuchen backen – Schränke ausmisten – Sommerurlaub planen – Vögel füttern – jemanden inspirieren – zufrieden sein – mehr lachen – schöne Musik hören – Sonne tanken – spanisch lernen - mit dem Rad durch die Natur fahren – Besuch im Zoo – mit Gummistiefeln in Pfützen springen – lieben – noch mehr lieben…..

Sobald ich sie lese, wird es mir warm ums Herz. Wenn es mir gut geht, fallen mir noch viel mehr Sachen ein, die ich mal machen könnte. Damit ich sie nicht vergesse, ergänze ich die Glücksliste und schreibe sie mir auf. Ich könnte mir vorstellen, dass Ihnen auch noch ein paar Dinge einfallen; falls sie möchten: Stift in die Hand nehmen und aufschreiben!

Die Postkarte habe ich übrigens so aufgehängt, dass ich sie jetzt öfter sehe.

(Simone Raugust)

24. Mai 2020

Auch das noch!

Corona war schon genug. Unsicherheit begleitet mich in diesen Tagen, Fragen ploppen schneller auf, als ich Antworten finden kann – in den Nachrichten, im Netz, bei Fachleuten, in Gesprächen, im Glauben, in mir.

Jeden Tag gibt es neue Entwicklungen, neue Entscheidungen, neue Wege. Und ich mittendrin – muss einen eigene Weg finden für mich und meine Familie

Und jetzt auch noch ein Krankenhausaufenthalt. Vor meinem inneren Auge sehe ich riesige Viren durch endlose Krankenhausflure geistern. Wittere Gefahren und Bedrohungen.

Aber es hilft nichts. Wir müssen fünf Tage in die Klinik.

Was ich dort erlebe, macht mich staunen und dankbar. Der Umgang mit der Situation, mit ständig neuen Hygienevorschriften, mit Maskenpflicht und Coronabesonderheiten – er ist an manchen Stellen noch ungewohnt, aber immer professionell. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zugewandt, kompetent und vor allem: ruhig und gelassen.

Sie verbreiten keine Panik, sie nehmen Ängste, sie sind da, liebevoll und ganz nah: trotz Maske, trotz Pflegenotstand, trotz Ausnahmezustand, trotz vieler Schichten. Danke, Danke, Danke.

Und sollten Sie in diesen Tagen denken: "Auch das noch!" Dann fangen sie diesen Text einfach noch mal von vorne an.

Diakon Wolfgang Dressler

Mai 2020

  • add 23. Mai 2020

    Corona Perspektiven

    Unser Alltag ist durch die Coronakrise auf den Kopf gestellt. Die gewohnte Arbeit, unsere Freizeitbeschäftigungen, der Besuch von Freunden und der Familie – nahezu alles findet im Moment gar nicht oder wenn, dann nur in sehr ungewohnter Weise statt. Ausgangssperren, Kontaktbeschränkungen, geschlossene Läden und Restaurants, Mund-Nasen-Schutz und was wird überhaupt mit meinem Sommerurlaub. Homeschooling, geschlossene Kitas, keine Angebote der Vereine, kaum Sportmöglichkeiten verlangen sehr viel von jedem einzelnen ab. Kurzarbeit, Homeoffice und wie geht es nach überstandener Pandemie überhaupt weiter? Und müssen wir uns dann auf eine zweite Krankheitswelle einstellen? Viele Fragen und viel Unsicherheit bestimmen unsere Zukunft.

    Je größer die Ungewissheit und je größer die Ängste sind, desto mehr lohnt sich eine Pause in diesem Strudel aus negativen Nachrichten und Gefühlen einzulegen. Häufig lohnt es sich eine gedankliche Auszeit zu nehmen und die Situation in ihrer Gänze zu betrachten. Gab es in den letzten Wochen wirklich nur Negatives und Unangenehmes?

    Von Eckart von Hirschhausen ist eine sehr schöne Anekdote überliefert, welche aufzeigt, wie lohnend es sein kann seine (alte) Perspektive auch einmal zu wechseln:

    Ich war als Moderator auf einem Kreuzfahrtschiff engagiert. Da denkt jeder: „Mensch toll! Luxus!” Das dachte ich auch. Bis ich auf dem Schiff war. Was das Publikum angeht, war ich auf dem falschen Dampfer. Die Gäste an Bord hatten sicher einen Sinn für Humor, ich hab ihn nur in den zwei Wochen nicht gefunden. Und noch schlimmer: Seekrankheit hat keinen Respekt vor der Approbation. Kurzum: ich war auf der Kreuzfahrt kreuzunglücklich.

    Endlich! Nach drei Tagen auf See, fester Boden. „Das ist wahrer Luxus!” Ich ging in einen norwegischen Zoo. Und dort sah ich einen Pinguin auf seinem Felsen stehen. Ich hatte Mitleid: „Musst du auch Smoking tragen? Wo ist eigentlich deine Taille? Und vor allem: hat Gott bei dir die Knie vergessen?” Mein Urteil stand fest: Fehlkonstruktion.

    Dann sah ich noch einmal durch eine Glasscheibe in das Schwimmbecken der Pinguine. Und da sprang „mein“ Pinguin ins Wasser, schwamm dicht vor mein Gesicht. Wer je Pinguine unter Wasser gesehen hat, dem fällt nix mehr ein. Er war in seinem Element! Ein Pinguin ist zehnmal windschnittiger als ein Porsche! Mit einem Liter Sprit käme der umgerechnet über 2500 km weit! Sie sind hervorragende Schwimmer, Jäger, Wasser-Tänzer! Und ich dachte: „Fehlkonstruktion!”

    Und die Zeit mit Corona? Auch eine „Fehlkonstruktion“. Mir fällt unglaublich viel Gutes, Ermutigendes und Schönes in dieser schweren Zeit ein. Das mögen vermeintlich kleine Gesten sein, wie z.B. dass es momentan unglaublich viele sehr gute Angebote, Spielideen, Lern- und Mitmachangebote für Kinder im Internet gibt oder dass der Bezahlsender Sky nun für alle – und nicht nur für die Bezahlkunden – die Fußballbundesliga überträgt.

    Eine Welle der Solidarität, des Respekts, der Anerkennung und nicht zuletzt des Danks gegenüber Pflegern, Ärzten und Personal in Kliniken, Altenheimen und ähnlichen Einrichtungen schwappt durch unser Land. Nachbarn verabreden sich täglich zum Singen von „Der Mond ist aufgegangen“. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung bleibt hoch, u.a. bei Einkaufsdiensten usw. In einer Zeit, in der viele nur an sich selbst und ihr eigenes Wohlbefinden denken keine Selbstverständlichkeit.

    Ich glaube auch, dass der entschleunigte Alltag einige Vorteile bietet. So bekommen die meisten von uns zusätzlich Zeit geschenkt, ein Geschenk das in unserem sonst stressigen Alltag gar nicht hoch genug gewürdigt werden kann. Jetzt haben wir die Zeit und Muße Sachen zu durchdenken, eine Pause einzulegen und auf unser Wohlbefinden zu achten. Eine Auszeit für und mit uns selbst einzulegen. Es können Dinge getan werden, die schon seit Monaten und Jahren auf die lange Bank geschoben werden, Stichwort „Keller entrümpeln“ oder „Dachboden aufräumen“. Bücher, die im Regal schon ewig darauf warten gelesen zu werden, können nun in Angriff genommen werden. Trotz „Social Distancing“ kann der Kontakt zu Freunden oder Verwandten, z.B. auch über Briefe, Pakete oder Telefonanrufe aufrechterhalten, ja sogar vertieft werden.

    Und nicht zuletzt die Erkenntnis, dass doch nicht alles der Gewinnmaximierung und Profitorientierung untergeordnet zu sein scheint. Wirtschaftliche Interessen wurden in den letzten Wochen massiv zurückgestellt um Leben zu schützen. Wir sind also politisch handlungsfähig auch im Angesicht entfesselter Finanzmärkte. Global agierende Konzerne bestimmen also doch nicht uneingeschränkt was zu tun ist. Gesundheit ist ein Gut das man nicht grundlos dem Markt überlassen kann und das straflos privatisiert werden kann.

    Sicherlich findet jede und jeder seine persönliche (andere) Perspektive zur Coronakrise, der er oder sie im Offensichtlichen oder im Verborgenen in den letzten Wochen begegnet ist. Vielleicht gelingt es uns die Klassifizierung „Fehlkonstruktion“ etwas zu relativieren.

    Julia und David Nerz

  • add 22. Mai 2020

    Schau eine Weile aus deinem Zimmerfenster.

    Welche zehn Dinge sind dir noch nie aufgefallen?

  • add 21. Mai 2020

    Nicht wo der Himmel ist,
    ist Gott,
    sondern wo Gott ist,
    ist der Himmel.

    Gerhard Ebeling

    Einen gesegneten Himmelfahrtstag!

  • add 20. Mai 2020

     Einer trage des anderen Last

     

    Ja, ich kann das gut verstehen, dass die Zeit der Einschränkungen lang wird. Dass wir uns nach der Nähe anderer sehnen, dass wir den Sommer und das Leben und die langen Abende genießen wollen. Und ich bin froh, dass die ersten Lockerungen hier wenigstens kleine Schritte möglich mache.

    Ja, ich kann sehr gut verstehen, dass die aktuelle Situation viele Menschen in große Bedrängnis bringen, finanziell, seelisch, körperlich. Und wir müssen alles tun, um allen möglichst umfassend zu helfen, die in Not geraten (sind).

    Ja, ich kann sehr gut verstehen, dass diese Tage und Wochen und Monate einigen von uns Bauchweh bereiten. Demokratische Entscheidungswege brauchen in der Krise manchmal zu lang. Abkürzungen, manchmal auch undemokratischer Art, sind notwendig. Aber sie dürfen in der Tat nicht ausgetreten werden. Die Parlamente müssen nun wieder das tun können, für das wir sie gewählt haben.

    Ja, ich kann gut verstehen, dass sich manche bevormundet fühlen. Denn das sind wir gerade auch. Aber anders könnten wir diese Krise nicht gemeinsam und achtsam bewältigen. Was bleibt, ist das Recht auf möglichst große Transparenz, um Entscheidungen nachvollziehen zu können. Und eine schrittweise Rückkehr zu mehr und mehr Freiheit und Selbstbestimmung.

    Und so lange?

    So lange sollten wir versuchen, Einsamkeit zu verhindern, im Leben und im Sterben. Sollten wir die im Blick zu behalten, denen das Wasser schon vor Corona bis zum Hals stand. Sollten wir nicht vergessen, dass ein Großteil unserer Gesellschaft zu einer Risikogruppe gehört, die man nicht einfach wegsperren kann. Sollten wir bedenken, dass unser Weg in Deutschland bei allem Leid nicht so war, die jener in Italien, in Spanien, in Frankreich, in den USA.

    So lange tragen wir Masken, halten wir Abstand, schränken wir uns ein. Ja, das sind wir nicht mehr gewöhnt. Aber es ist ein Zeichen der Solidarität und ein Wesenszug des Gemeinsinns, eigene Bedürfnisse auch einmal hinten anstellen zu können.

    Ein Satz hat mich in diesen Tagen bewegt. Er stammt von einer Schulleitung: „Wichtig ist ein Verständnis dafür, dass wir die Masken nicht für uns, sondern für die anderen tragen, es also ein Zeichen der Solidarität und der Achtung der Mitmenschen ist.“

    Und ein Bibelzitat fällt mir ein.

    „Einer trage des anderen Last“. Diese Worte schreibt Paulus in seinem Brief an die Galater. Für den anderen da sein ist manchmal kein leichter Weg.

     

    Diakon Wolfgang Dressler

  • add 19. Mai 2020

    Du bist immer für mich da.

     

    „Du bist immer für mich da.

    Zeigst mir den Weg, wenn ich mich verlier.

    Du schenkst mir Liebe, bist mir nah.

    Auch in schwerer Zeit hältst du zu mir.“ (Oliver Seidel, 2019)

     

    Dieser Chorus entspringt einem Lied meines Chores „Popchor Spandau“ in Berlin. Die Klänge lassen mich in dieser Zeit da sein, wo ich sein möchte.

    Die Sonne strahlt in mein Herz und ich weiß, dass dieses Lied einander verbindet, auch wenn Kilometer oder auch nur die nächste Straße zwischen uns liegen. Einander nur aus der sicheren Distanz zu winken bzw. zu singen, gibt einem Kraft.

    Horchen Sie den Klängen wie ich unter https://youtu.be/sCAerdxME6s und denken Sie sich zu Familie, Freunden oder da wo Sie gerade sein wollen.

    Gott ist immer für uns da, auch in dieser schweren Zeit.

     

    Ingalisa Alsmeier

  • add 18. Mai 2020

    Segnen heißt

    Segnen heißt

    die Hand auf etwas legen und sagen:

    du gehörst trotz allem Gott.

    So tun wir es mit der Welt,

    die uns solches Leiden zufügt.

    Wir verlassen sie nicht,

    wir verwerfen, verachten,

    verdammen sie nicht,

    sondern wir rufen sie zu Gott.

    Wir geben ihr Hoffnung,

    wir legen die Hand auf sie und sagen:

    Gottes Segen komme über dich.

     

    Wir haben Gottes Segen empfangen

    im Glück und im Leiden.

     

    Wer aber selbst gesegnet wurde,

    der kann nicht mehr anders,

    als diesen Segen weitergeben,

    ja, er muß dort, wo er ist,

    ein Segen sein.

    Nur aus dem Unmöglichen

    kann die Welt erneuert werden.

    Dieses Unmögliche

    ist der Segen Gottes.

     

    Dietrich Bonhoeffer

  • add 17. Mai 2020

    Corona und Maria

    Unsere zweieinhalbjährige Enkeltochter Nora liebt Rollenspiele. Zurzeit bekommt sie unentwegt Kinder - immer wieder verschwindet ein Kuscheltier unter‘m Pulli am Bauch und wird kurz darauf geboren. Kein Wunder: Ihre Mutter ist hochschwanger; Ende des Monats soll das Geschwisterle auf die Welt kommen. Seit drei, vier Wochen hat Nora wieder angefangen, wie in der Weihnachtszeit die Geburt Jesu in Bethlehem und nun auch die Geschichte von Maria und ihrer Kusine Elisabeth zu spielen. Am besten mit ihrer Mama - und dann hüpfen die beiden Babys im Bauch, als Maria bei Elisabeth ankommt. (Nachzulesen in der Bibel im Lukasevangelium Kapitel 1, 39-45)

    „Corona ist nicht bei der Maria!“ hat Nora mir vor ein paar Tagen erzählt. Ich hab‘ kurz gebraucht um zu verstehen, was sie meint. Ach klar, wenn Corona bei der Maria wäre, dann könnte sie nicht zu Elisabeth gehen und die besuchen. Und die Kinder könnten nicht im Bauch hüpfen.

    „Corona ist nicht bei der Maria.“ Noras Satz hat mich tiefer erreicht. Ich habe gemerkt, wie schwer es mir fällt, im Blick auf Besuche hin und her so viel überlegen und abwägen zu müssen - was man sich traut und was nicht. Es ist gut, dass es um meine Welt des Abwägens herum noch eine andere gibt - jenseits des Corona-Virus. Ich glaube, Nora spürt etwas davon, dass biblische Geschichten von einer Welt erzählen, die Halt gibt in der Unsicherheit. Nora spielt diese Welt immer wieder durch und das gibt ihr Halt. Mir hat sie mit ihrem Satz ein Lächeln auf’s Gesicht gezaubert und die Zuversicht, dass ein Licht von dieser Welt auch in meine schwierigen Stunden fällt - Gott sei Dank!

    (Susanne Edel)

  • add 16. Mai 2020

    Unser täglich Brot gib uns heute ….

    Ich weiß, fast alle Coronageschichte über das Hamstern sind schon erzählt und von allen Seiten beleuchtet. Klopapier gibt es wieder, Mehl auch. Allein da, wo sonst im Kühlregal die Hefewürfel liegen, gähnt ein immerwährendes Loch. Auch zwischen Natron und Backpulver 50 Zentimeter tief ein einziges Nichts. Und aus dem Nichts rieche ich in allen Haushalten den wunderbaren Geruch dampfender Brotlaibe. Es entstehen Bilder von mehligen Händen, mit denen geduldig und kräftig Teig geknetet wird. Deutschland - ein einziges Land von Selbstversorgern in Sachen Brot! Brot ist unsere Herzens- und Gaumenangelegenheit schlechthin!

    Da stoße ich auf einen Zeitungsartikel aus dem vergangenen November, als noch keiner über Corona sprach. Demnach landet hierzulande jährlich ein Drittel aller Brote auf dem Müll. An dieser Verschwendung beteiligen sich zu 17 Prozent Privathaushalte. Den Rest werfen Brotfabriken, Bäckereien, Supermärkte und Handel in die Tonne.

    … und führe uns nicht in Versuchung

    Jetzt, da wir die Chance haben unsere Hamsterräder anzuhalten, uns daneben zu stellen und uns selbst kritisch zu beobachten – da wünsche ich mir, wir könnten der Versuchung widerstehen, weiterhin so achtlos mit unseren Gaben wie dem täglich Brot umzugehen.

    (Albrecht Ackermann)

  • add 15. Mai 2020

    Jeder Tag ist ein Schritt im Leben.

     

    Den Sonntag feiern wir,

    um ein Stück weiter zu kommen zu Gott hin

    und zu einem Leben, das Sinn hat.

    Es liegt ein weiter Weg

    zwischen Krieg und Frieden,

    zwischen Hass und Liebe,

    zwischen Wort und Taten,

    zwischen Not und Hilfe,

    zwischen Feindschaft und Verstehen.

    Jeden Tag gehen wir auf diesem Weg.

    Wenn Jesus uns voraus ist,

    werden wir das Ziel nicht verfehlen.

     

    (Quelle unbekannt, Evangelisches Gesangbuch, Seite 339)

     

     

     

  • add 14. Mai 2020

    Vertrauenskonto!

    Ich traf mich 1964 mit Mitarbeitern aus der Jugendarbeit in Thüringen in Ostberlin. Sie berichteten mir, dass der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht  bei der Bank der DDR ein Freizügigkeitskonto hat. Er darf immer so viel Geld abheben, wie viel er braucht. Das hat mich beschäftigt und sehr beeindruckt.

    Mein Herr im Himmel hat mit mir einen Bund geschlossen. Er hat mir versprochen, mir immer so viel zu geben, wie ich brauche. Er sorgt dafür, dass ich immer genug habe. Ich muss nur dafür sorgen, dass ich es richtig und verantwortungsvoll ausgebe. Ist das nicht eine wunderbare Zusage? 

    Das einzige, was ich bringen muss, ist nur das Vertrauen zu ihm. Das ist der Glaube, das Vertrauen, dass er das Versprechen auch einhält. Manchmal habe ich das, manchmal leider auch nicht.

    Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!  Markus 9,24.

    Verfasser bekannt.

  • add 13. Mai 2020

    Stufen (von Hermann Hesse)

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

     

    Auf das Gedicht bin ich in meinem Leben immer wieder gestoßen und eine bestimmte Zeile hat mir dann besonders zugesagt. Auch in der letzten Zeit habe ich an das Gedicht gedacht und momentan sprechen mich vor allem die Verse „Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, An keinem wie an einer Heimat hängen, Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten“ an. Die letzten Wochen haben große Veränderungen mit sich gebracht und wir mussten und müssen uns immer wieder an neue Gegebenheiten anpassen. Wir dürfen an dieser Aufgabe nicht verzweifeln, wir sollten versuchen es als Herausforderung zu sehen und auch diese Stufe nehmen.  

    (Simone Raugust)

  • add 12. Mai 2020

    Wie spielt man Frieden?

    Ein alter Mann ging über einen großen Platz. Er setzte sich auf eine Bank und beobachtete Kinder, die offensichtlich „Krieg“ spielten. Mit Stöcken und grellen „Peng-Peng-Schreien“ rannten sie aufeinander los. Auch ganz kleine waren dazwischen. Nachdenklich stand der Mann eine Weile in der Nähe. Dann ging er entschlossen auf die Gruppe zu und sagte bittend: „Kinder, spielt doch nicht Krieg.“

    Der bittende Klang der Stimme des alten Mannes machte die Kinder betroffen. Etwas verlegen zogen sie sich an eine Mauer zurück, berieten eine Weile miteinander.

    Dann kamen sie wieder zu dem Mann, der sich auf die Bank gesetzt hatte. Ein kleiner Mann stellte sich vor ihn und fragte: „Du, wie spielt man denn Frieden?“

    nach Jörg Zink

  • add 11. Mai 2020

    "Es muss erbeten sein"

    Manchmal nervt mich alles. Diese blöde Maske, die jetzt immer mit muss. Dass niemand so genau weiß, wie es weitergeht - klar, verstehe ich, wieso das so ist, aber es fällt mir nicht leicht, es zu akzeptieren. Ach, und dann ist noch längst nicht genug Regen gefallen - wie soll das nur weitergehen mit der Trockenheit… Und zu allem hin kriege ich dann noch ein schlechtes Gewissen, dass ich so undankbar bin: denn eigentlich geht es mir ja gut!

    Neulich bin ich hängengeblieben an der Liedstrophe: „…mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteig’ner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen - es muss erbeten sein.“ (Aus dem Lied: Befiehl du deine Wege, Gesangbuch Nr. 361) Die „selbsteig’ne Pein“ kenne ich nur zu gut. Ich denke: es darf mir ja nicht wirklich gut gehen, wenn Menschen anderswo so viel schlechter dran sind als ich! Doch eigentlich hilft es ja niemandem, wenn ich mich mit schlechtem Gewissen plage, weil’s mir besser geht als anderen. Und weil ich schon wegen kleiner Einschränkungen ab und zu übellaunig werde. Und weil ich auch nicht so ganz genau weiß, wo das mit dem Klimawandel noch hinführt und wie ich beitragen kann, das Schlimmste zu verhindern.

    Manchmal ist es so: wenn ich auch die - eigentlich ja nicht nennenswerten! - Kleinigkeiten einfach zu Gott hin rausseufze, dann wird mir leichter ums Herz. Ich glaube, Gott ist ganz egal, wie gewichtig das ist, was mich gerade beschwert - es gilt immer: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ (Matth 11,28). Da bewertet einer meinen Zustand nicht, sondern schaut, was ich brauche - wie gut!

    (Pfarrerin Susanne Edel)

  • add 10. Mai 2020

    Was ich mir wünsche

     

    Nicht dass ich vor verschlossenen Türen stehen muss

    Nicht dass Fenster vergittert und ungeöffnet bleiben

    Sondern dass die Zukunft mir Türen öffnet

    durch die ich gehen kann

    zu Plätzen wo die Freude wohnt

    zu Zielen die mir heute noch fremd sind

    Offene Fenster sollen mich verbinden

    mit drinnen mit draußen

    und der Tag soll mir so viel Leben

    Licht und Wärme bringen

    dass auch die Nacht mir zum Freunde wird

     

    (Edeltraut Reeb, Evangelisches Gesangbuch Seite 1203)

  • add 9. Mai 2020

    Kein Krieg!

    Vor kurzem habe ich einem hochbetagten Mann zum Geburtstag gratuliert. Ihm gehe es gut, sagte er auf meine Nachfrage. Die Kinder und Enkel würden ihn versorgen und er begnüge sich damit, den Blick von der Terrasse in den Garten zu genießen. Neulich bekamen sie keine Hefe. Ganz zerknirscht stand die Enkelin an der Wohnungstür. Wo der selbstgebackene Hefezopf dem Opa doch heilig war!

    Doch siehe da - statt eines zerknirschten Mannes hatte sie einen vor ihr, der sagte: „Weißt du, mich erinnert das an die Zeit während des Krieges. Wie froh waren wir da, wenn wir mal ein Stück Butter hatten! Und wir haben es auch geschafft. Jetzt haben wir keinen Krieg, darüber bin ich so froh! Und es gibt immer noch so viel mehr zu kaufen als wir brauchen. Und wir stehen zusammen und helfen einander. Außerdem ich kann meine alten Geschichten erzählen - auf einmal sind sie interessant!“

    Mich hat dieses Telefonat mit einem Lächeln auf dem Gesicht zurückgelassen. Wie schön, wenn einer so durch diese Tage kommt. Und ja, Gott sei Dank - wie gut, dass wir nicht im Krieg leben müssen! Möge der Friede uns unendlich kostbar bleiben!

    (Pfarrerin Susanne Edel)

  • add 8. Mai 2020

    Eine Meise haben ……

     

    Wer über längere Zeit zu Hause eingesperrt ist wie in diesen Zeiten, der kann schon mal wunderlich werden. Im Volksmund unterstellt man ihm gerne, er habe eine Meise (unterm Pony). Oft auch: Bei dem piepst es oder er hat einen Vogel.

    Mein Problem ist: Ich habe keine Meise mehr. Was ein Psychotherapeut als Therapieerfolg verbuchen würde, ist aber furchtbar traurig. Bis Ostern noch hatte ich im Garten ein Kohlmeisenpärchen und eine Blaumeise schaute auch immer wieder vorbei. Trotzdem ich ihnen die Tafel immer üppig deckte – jetzt sind die Meisen weg. Der Nabu meldete, Ursache sei ein Bakterium, das für den Tod vieler Blaumeisen und gelegentlich auch Kohlmeisen verantwortlich sei.

    Ich habe mich meiner Meisen immer sehr erfreut. Sie erinnern mich an meine Kindheit. Sie waren die ersten Vögel, die ich sicher zu bestimmen wusste. Fällt Ihnen übrigens auch auf, dass wir uns in Coronazeiten gerne an unsere Kindheit erinnern. Aber das nur nebenbei.

    Jedenfalls standen Meisen bei mir immer hoch im Kurs. Wie ich jetzt gelesen habe, war ich damit nie allein. Meisen galten schon im Mittelalter als sehr wertvolle Vögel, sind sie doch vorzügliche Insektenvertilger. Also durfte man sie weder töten, noch ihre Eier stehlen. Darauf standen heftige Strafen. Wer es dennoch wagte, eine Meise gefangen zu halten, also eine Meise zu haben, musste damit rechnen am Galgen zu hängen. Und das konnte ja nur ein Verrückter tun.

    Wenn Sie also eine oder auch mehrere Meisen haben, freuen Sie sich darüber. Ihre Welt ist noch in Ordnung.

     

    (Albrecht Ackermann)

  • add 7. Mai 2020

    Der steinige Weg

     

    Bewahre mich vor dem naiven Glauben,

    es müsste im Leben alles glatt gehen.

    Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,

    dass Schwierigkeiten, Niederlagen,

    Misserfolge, Rückschläge

    eine selbstverständliche Zugabe

    zum Leben sind,

    durch die wir wachsen und reifen.

     

    Antoine de Saint-Exupéry, Evangelisches Gesangbuch (Seite 1113)

  • add 6. Mai 2020

    Keine Konfirmation

    Wissen Sie noch wann Ihre Konfirmation war? Ich weiß es noch. Es war der 20. März 1988, ein besonderer Tag, den ich auch nach 32 Jahren nicht vergessen habe und der mit vielen schönen Erinnerungen verbunden ist.

    Eigentlich wären am 9. und 10. Mai die Konfirmationen der Konfirmandinnen und Konfirmanden aus unserer Gemeinde gewesen. Als Eltern einer Konfirmandin steht das einmalige Ereignis bei uns schon sehr lange dick im Kalender und die ersten Planungen liegen schon Monate zurück. Als die Konfirmationen vor einigen Wochen abgesagt wurden, haben wir das verständnisvoll aufgenommen. Jetzt rückt der Termin näher und eigentlich wäre diese Woche gefüllt gewesen mit den letzten Vorbereitungen für das große Fest:  Kuchen backen, Blumenschmuck besorgen, Tische und Stühle stellen, Gottesdienstproben sowie immer wieder nach den Wettervorhersagen schauen. Nun blicke ich mit etwas Wehmut auf das nächste Wochenende, wahrscheinlich etwas entspannter, aber eben auch etwas traurig, dass die Feierlichkeit nun doch nicht stattfindet.

    Viele Gedanken zur weiteren Planung gibt es schon, die Familien haben auch schon einen Brief erhalten; noch ist alles etwas unklar, aber ein Fest wird es auf jeden Fall geben.

    Vieles in diesem Jahr ist nicht so wie es geplant war; wir versuchen jedoch das Beste daraus zu machen!

     

    (Simone Raugust)

  • add 5. Mai 2020

    Corona – mein Pro und Contra

    Was bleibt positiv aus der Corona-Zeit?

    Positiv bleibt für mich, dass ich meine Scheu von Videokonferenzen abgelegt habe. Bisher habe ich immer versucht, solche Veranstaltungen zu vermeiden. Klar, es gab sich auch schon gelegentlich im geschäftlichen Bereich, aber im Grunde habe ich es vorgezogen, mich ins Auto zu setzen und an Besprechungen persönlich teilzunehmen. Mir fehlte einfach einiges an Interaktion.

    In den letzten Wochen habe ich diese Hemmungen abglegt. Wir haben in dieser Zeit über Videokonferenzen sogar Spieleabende gemacht und auch Sprachkurse durchgeführt und ich war begeistert, wie gut das funktioniert hat.

    Ich hoffe, dass auch in Nach-Corona-Zeiten der eine oder andere Kilometer weniger auf der Straße gefahren wird, wenn Gespräche stattdessen online geführt werden.

    Was war mir das größte Ärgernis in dieser Zeit?

    Als jugendlicher Mensch habe ich eine große Scheu gehabt, außerhalb meiner Familie körperlichen Kontakt zuzulassen. So musste ich erst lernen, die Umarmung z.B. bei einer Begrüßung als angenehm zu empfinden. Mittlerweile genieße ich es, meine Freunde auch mal unbefangen in den Arm nehmen zu können. Mit einer Umarmung wird das Gefühl von Wärme und Geborgenheit regelrecht spürbar.
    Dies fehlt mir in diesen Corona-Zeiten deutlich. Distanz und Abstand sind Erfahrungen, die mir weh tun. Ich hoffe, dass wir nach Corona die alte Unbefangenheit zurückgewinnen können.

     

    (Klaus-Dieter Kriegeskorte)

  • add 4. Mai 2020

    Der Irrgarten

    Katharina Seidel

    Der Engel des Moshe. Moderne Gleichnisse II

    Luzern 1999 (S.72f.)

    ________________________________________

    Ein junger Mann erwartete seine Freundin im Gedränge des Jahrmarkts; sie hatten als Treffpunkt den freien Platz vor dem Irrgarten gewählt. Da es noch früh war, vertrieb sich der Mann die Zeit damit, durch die kristallene Wand die Glaskonstruktion zu erforschen. Die Anordnung schien ihm erstaunlich einfach: Schräg liefen die Wände - parallel zueinander - nach vorn und in rechtwinkligen Fluchten zurück ins Innere. Der seitliche Weg in die Freiheit war gut zu erkennen.

    Da überfiel ihn die Lust, bis die Freundin käme, sein Glück zu versuchen. Die Frau an der Kasse lächelte hintergründig. "Hüte dich!", flüsterte sie. Kopfschüttelnd schob er sein Geldstück hin und trat durch die Samtportiere. Er schritt pfeifend aus, die Hände tief in den Taschen, wie jemand, der mit der Zeit nicht zu rechnen braucht - bis er unversehens mit Brust und Gesicht auf eine unsichtbare Wand prallte. Er lachte belustigt auf und tastete, klüger geworden, mit den Händen voran. So geriet er tiefer und tiefer ins Labyrinth, ahnte Anfang und Ende nicht mehr, irrte kristallene Gänge entlang hin und her und zurück.

    Über allem war die verabredete Stunde gekommen. Und wirklich: Dort hinter durchsichtigen Wänden stand seine Liebste und suchte mit unruhigen Augen den Freund. Er winkte ihr zu, rief ihren Namen, schlug mit der Faust an die Scheiben, aber er konnte sich auf keine Weise bemerkbar machen, sodass sie sich schließlich abwandte und ging.

    Gehetzt nahm er die Suche nach dem Ziel wieder auf, tappte und stolperte hierhin und dorthin. Niemand kam ihm entgegen, niemand folgte ihm, und schon begann es zu dämmern. Ein Blick auf die Uhr trieb dem Manne den Schweiß ins Gesicht: sie war stehen geblieben. Da begann er um Hilfe zu rufen. Er horchte: Der Widerhall brachte die eigene Stimme zurück. Er schien in kristallenen Glassystemen die einzig lebende Seele.

    Plötzlich, als er eine neue Glasflucht betrat, kam aus der Tiefe des Ganges jemand herauf, ein gebeugter, weißhaariger Mann. Sie winkten sich zu, sie strebten einander entgegen, und mit einem Sprung wollte der Verirrte seinen Retter umarmen - und prallte auf eine Spiegelwand. Ihm schwanden die Sinne.

    (gefunden von Karlheinz Zeeb)

  • add 3. Mai 2020

    In der Martinskirche

     

    Die Sonne scheint. Es ist angenehm warm. Die Vögel zwitschern munter als ich durch den Friedhof Richtung Kirche gehe und ich denke so oft, wenn ich diesen Weg nehme, wie schön und friedlich es hier ist, welch einzigartiger Ort.

    Die Kirchentür steht einladend offen; ich trete ein und bin das erste Mal ganz allein in der Martinskirche. Ein leichter Wind weht, ich höre irgendwo eine Tür klappern und hinter mir, immer noch, aber etwas leiser, das Vogelgezwitscher.

    Die Sonne scheint durch die Kirchenfenster, die bunten Fenster im Altarraum leuchten in ihren kräftigen Farben. Ich bleibe stehen und lasse diesen Moment auf mich wirken; der Raum kommt mir heute ganz anders vor, so ganz ohne Menschen, heute zählt nur der Raum. Eine angenehme Stille und Ruhe breitet sich in mir aus. Ich gehe langsam und leise, zuerst zum Büchertisch und zur Gebetswand, dann wieder zurück. Ich möchte durch den Mittelgang nach vorne in den Altarraum gehen, in Richtung der bunt und hell erleuchteten drei Fenster. Je näher ich dem Altar komme, desto ehrfürchtiger und langsamer werde ich, welch besonderer Augenblick. Ich bleibe erst noch eine Weile stehen und betrachte den Altar, die Osterkerze, das Buch für Gedanken und Gebete, erst von weitem, dann aus der Nähe.  

    Mit einem Hosentaschenengel gehe ich langsam und zufrieden wieder hinaus in die Sonne und versuche diesen erfüllten Moment irgendwie für mich festzuhalten.

     

    Simone Raugust

  • add 2. Mai 2020

    Fragen, neu beantwortet

     

    Angenommen,

    Sie könnten die Zeit bis zum Ende der Krise einfach überspringen.

    Würden Sie es tun wollen?

    Wenn ja, warum?

    Wenn nein, was folgt daraus für Sie für die nächsten Monate?

     

    Als ich diese Fragen entdeckte, war mein erster Gedanke: Ja, das ist es! Einfach die Tage und Monate überspringen und diese beunruhigende Zeit hinter mir lassen.

    Inzwischen haben sich meine Überlegungen stark verändert und sind in die andere Richtung gewandert.

    Wie konnte ich nur so denken?

    Was wäre mir alles entgangen?

    • die vielen Telefonate, E-Mails, whatsapp-Nachrichten, Briefe und Karten von all den Menschen, die mir lieb und wert sind
    • mir zugesprochene Umarmungen aus der Ferne
    • Dinge, die unverhofft an unserer Haustür lagen (hier vor allem die prall gefüllte Büchertüte einer Freundin)
    • das Gelächter unseres Enkels (6 Monate) auf Video
    • die täglichen Telefonate mit unserer Enkelin (3 ½ Jahre), die mir erzählt, wie der Himmel bei ihr heute aussieht und sie mich raten lässt, welche Dinge in ihrem Arztkoffer sind
    • und nicht zu vergessen:
    • die frischen verschiedenen Grüntöne der Bäume
    • der Kirschbaum, der zu einem riesigen Schneeball explodiert ist
    • der morgendliche Gesang der Vögel

    Ich wünsche uns allen Glücksmomente für die nächste Zeit:

    ein Lächeln und Augenzwinkern

    die wärmenden Strahlen der Sonne

    vielleicht einen Maikäfer auf der Hand

    die Schönheit eines Regenbogens

    den jetzigen Moment!

     

    Karin Böger

  • add 1. Mai 2020

    Trauer ohne Trösten

    Aus einer Reportage in der Süddeutschen Zeitung über Beerdigungen in Corona-Zeiten, in der der Autor den Münchner Bestatter Thomas Schmidt begleitet hat:

    „Einmal, als er zwanzig war und schon Bestatter, saß eine Frau allein in der Bank vor dem Sarg ihres Mannes, daran muss er gerade öfter denken. Wie sie da saß, einsamer kann ein Mensch nicht sein, und er es nicht schaffte, sie zu berühren, an der Schulter, ganz leicht. Er stand nur da und schaute. Damals konnte er nicht, heute dürfte er nicht, der Schmerz ist derselbe. Trauer ist wie Liebe, die kein Gegenüber mehr hat, wird Schmid später sagen. Wie Liebeskummer. (…) Schmid sagt, was gerade verloren geht, ist die getröstete Trauer. Was bleibt, die Verunsicherung.“

    (gefunden von Albrecht Ackermann)

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