Die Leitsätze für unsere Gemeindearbeit

Segnung gleichgeschlechtlicher Paare in Kirchentellinsfurt


Es wurde in der jüngsten Vergangenheit in der evangelischen Landeskirche in Württemberg heftig diskutiert, wie mit Menschen umzugehen ist, die ihre gleichgeschlechtliche Partnerschaft unter den Segen Gottes stellen wollen und von daher eine kirchliche Trauung oder Segnung ihrer Ehe wünschen.

Aktueller Sachstand ist, dass die Landessynode sich nun hat dazu durchringen können, gewillten Kirchengemeinden die Erlaubnis zu geben, solche Segnungsgottesdienste durchzuführen. Der Kirchengemeinderat unserer Kirchengemeinde in Kirchentellinsfurt hat einstimmig beschlossen, dass auch wir in Kirchentellinsfurt diese Möglichkeit bieten wollen.

Warum ist uns dieses Thema wichtig?

Kirche sollte die Türe nicht verschließen für Menschen, die wesentliche Bereiche ihres Lebens ausdrücklich unter Gottes Segen stellen wollen. Dazu gehören selbstverständlich Partnerschaften, Ehe und Familie. Glücklicherweise wird in unserer Gesellschaft zwischen Partnerschaften von Frau und Mann und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nicht mehr unterschieden. Menschen lieben einander, wollen ihren Lebensweg gemeinsam gehen und dieses Vorhaben unter Gottes Segen stellen.
Gott, wie wir ihn in unserem christlichen Glauben verstehen, wird niemandem seinen Segen verweigern für einen Lebensbund, der auf Liebe und Vertrauen basiert. Deshalb können und wollen wir dies auch nicht tun.

Was bedeutet dies nun konkret?

Die evangelische Kirchengemeinde in Kirchentellinsfurt wird zukünftig auch für gleichgeschlechtliche Ehepaare von außerhalb unserer Gemeinde Segnungsgottesdienste anbieten. Reguläre Trauungen sind in Württemberg im Unterschied zu den meisten anderen evangelischen Landeskirchen in Deutschland noch nicht möglich.

Wir wollen mit offenen Armen und offenem Herz alle Menschen bei uns empfangen, die beabsichtigen, Ihre Liebe und Partnerschaft unter Gottes Segen zu stellen.

 

Klaus-Dieter Kriegeskorte, 1. Vorsitzender der Kirchengemeinde 2013-2019

  • add Aus der Liebe Gottes leben

    a)      Als evangelische Kirchengemeinde ist es unsere Aufgabe, die Botschaft von Gottes Liebe in Wort und Tat weiterzugeben. Liebe und Achtung sollen unser Miteinander bestimmen. Daran wollen wir erkennbar sein. Christus, die menschgewordene Liebe Gottes, ist Grund, Mitte und Wegweiser unserer Gemeinde.

    b)      Wir sind Christinnen und Christen in der evangelischen Kirchengemeinde Kirchentellinsfurt, Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Gaben und Interessen. Wir sind uns unserer Fehlbarkeit und unserer Grenzen bewusst. Wir leben aber aus der Liebe Gottes, die uns in Jesus Christus begegnet und uns durch den Heiligen Geist verbindet.

    c)      Wir sind eine evangelische Gemeinde, die sich am reformatorischen Leitbild des „allgemeinen Priestertums der Gläubigen“* orientiert. Wir bewahren unsere Traditionen und entwickeln daraus Neues. Wir suchen und pflegen Gemeinschaft mit unseren evangelischen Nachbargemeinden und allen Gemeinden der Ökumene am Ort. Wir wissen uns verbunden mit der Christenheit weltweit.

    * Nach evangelischem Verständnis stehen alle Gläubigen in unmittelbarer Beziehung zu Gott. Jeder und jede von ihnen hat die (priesterliche) Aufgabe, das Evangelium von Jesus Christus weiterzutragen. Pfarrer sind Christen mit besonderer Ausbildung, die um der Ordnung in der Gemeinde willen zum Dienst der Sakramente und der öffentlichen Verkündigung berufen sind.

  • add Gottes Gegenwart feiern

    a)      Unsere Gottesdienste sollen für Jung und Alt einladende und inspirierende Mitte der Gemeinde sein. In unseren Gottesdiensten wollen wir uns im Alltag unterbrechen lassen, Lasten loslassen, zur Ruhe kommen und Stille erfahren. In ihnen geht es uns darum, Gottes Wort zu hören, es aufzunehmen und dadurch unser Leben verändern lassen. Wir wollen nicht nur Gottesdienst feiern, sondern Gottesdienst auch im Alltag leben.

    b)      In unterschiedlichen Gottesdienstformen feiern wir Gottes Gegenwart mit allen Sinnen und erfahren vor Gott Gemeinschaft untereinander. Die Gottesdienste sind ein Ort, an dem wir uns zu Hause fühlen können, wo wir uns aber auch öffnen für die, die in ihrem Glauben noch auf der Suche sind.

    c)      Gruppen und Kreise sind eingeladen, sich in besonderer Weise mitfeiernd und mitgestaltend an den Gottesdiensten zu beteiligen.

  • add Gemeinschaft erfahren

    a)      Wir freuen uns an der Gemeinschaft und pflegen den Zusammenhalt in der Gemeinde. Durch gelebte Offenheit und Anteilnahme sind wir eine einladende Gemeinde, die Menschen zu einem gemeinsamen Leben mit Christus gewinnen will. Dazu gehen wir auf Menschen zu. Wir verstehen uns als Gemeinschaft auf dem Weg der Nachfolge Jesu, auf dem wir einander im Glauben stützen und fördern. Wir ermutigen dazu, in Kleingruppen und Hauskreisen einander Begleiter auf diesem Weg zu sein.

    b)      Wir laden einander ein, uns mit unseren unterschiedlichen Gaben und Ideen in die Gemeinschaft einzubringen. Die Vielfalt unserer Lebenserfahrungen und Glaubensprägungen ist ein Reichtum unserer Gemeinde. Wir geben ihr Raum und achten die Verschiedenheit des anderen. Wir wollen, dass die Lebendigkeit unserer Gemeinde Ausdruck findet in einer Vielfalt von attraktiven Angeboten für alle Altersgruppen, nicht zuletzt für Jugendliche, junge Erwachsene und Familien.

    c)      Im Sinne Jesu lebt die Kirchengemeinde vom ehrenamtlichen Engagement. Als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde sind wir eine partnerschaftliche Dienstgemeinschaft.

  • add Da sein für andere

    a)      Nach dem Vorbild Jesu sind wir in Gebet und praktischem Tun für andere da. Wir nehmen die Menschen in ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebensbedingungen wahr und begleiten sie in den verschiedenen Situationen, Brüchen und Nöten ihres Lebens.

    b)      Entsprechend dem biblischen Auftrag „Suchet der Stadt Bestes!“ (Jeremia 29,7) übernehmen wir unsere Verantwortung für den Ort.

    c)      Darüber hinaus wollen wir auch die materiellen, seelischen und geistlichen Nöte der Menschen weltweit im Blick behalten. Wir sehen uns beauftragt, uns für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Diese Leitsätze wurden von Pfarrer Michael Odenwald und dem Kirchengemeinderat 2005-2006 erarbeitet.