Die Kirchentellinsfurter Martinskirche

  • add Namen

    Seit der Reformationszeit im 16. Jahrhundert hieß die Kirche noch bis ins 20. Jahrhundert schlicht „Evangelische Kirche“, denn sie war die einzige Kirche im Ort und zudem war die Heiligenverehrung abgeschafft. Erst durch den Bau der katholischen Kirche, zunächst am Mühleweg im Tal (1953), dann an der Kirchfeldstraße (1980) „Christus, König des Friedens“, kurz „Christkönigskirche“, musste man sich evangelischerseits wieder auf seine vorreformatorische kirchliche Herkunft (Patrozinium) besinnen: Martinskirche. Das Martinsrelief von Ulrich Henn über dem Nordeingang stammt von 1956 und erneuerte die Erinnerung an den Kirchenpatron der Franken, die das Christentum zu uns brachten. Das Gemeindepflegehaus erhielt den Namen Martinshaus.

    Text: Peter Maier

  • add Baugeschichte

    Da Bauinschriften fehlen, ist man auf Vergleiche mit Kirchen in der Region angewiesen: In ihrer jetzigen Gestalt (spätgotischer polygonaler Chor, zwei weitere gotische Maßwerkfenster an der Südwand) geht die Kirche wohl ins 15. Jahrhundert zurück; der massive Turm ist vermutlich noch älter. Die ursprünglich kleine Kirche im ummauerten Friedhof mit vier Emporen wurde 1954/56 im Schiff mit flacher Tonnendecke nach Westen und Norden wesentlich erweitert und erhielt statt eines einfachen stumpfen einen spitzen hohen Turmhelm nach Hohenloher Vorbild. Der Erweiterungsbau führte zum Verlust des gesamten Chorgestühls, eines gotischen Dreisitzes („Schloß-Stühle“), der gewölbten Sakristei, der barocken Kanzel mit Schalldeckel (Teile im Treppenaufgang erhalten) und der spätbarocken Orgel (mit Walker-Wappen, von Johann Christian Hagemann, Tübingen 1791; jetzt in Diefenbach bei Maulbronn). Der Mittelgang im Schiff wurde damals aufgegeben und erst bei der jüngsten Renovierung (2011) zusammen mit dem Kirchensaal unter der Hauptempore wiederhergestellt.

    Text: Peter Maier

  • add Ausstattung

    Zur vorreformatorischen Ausstattung gehört das spätgotische Kruzifix (mit beweglichen Armen), der Taufstein von 1524 und auf dem Turm die älteste (Bet-)Glocke von 1500, gegossen von Jos Eger in Reutlingen (Inschrift in gotischen Minuskeln: „me resonante pia populi memento maria…“, also eine Marienglocke).

    Die restlichen 3 Glocken Christus- bzw. Totenglocke, Evangelistenglocke (1950) sowie Taufglocke (1959) wurden von Heinrich Kurtz, Stuttgart, gegossen und erklingen vierstimmig zusammen als Te-Deum-Motiv (Herr Gott, Dich loben wir).

    Der jetzige Kanzelkorb stammt von 1959. Die heutige Orgel wurde 1960 mit 20 Registern von Werner Immanuel Renkewitz, Nehren, erbaut (Prospekt von Manfred Wizgall) und 1984, nach einem Schwelbrand, durch Orgelbaumeister Reinhart Tzschöckel, Althütte/Fautspach, auf 28 Register mit Schwellwerk erweitert.

    Die farbigen Chorfenster (Altes Testament; Leben Christi; Apostelgeschichte) von Viktor Saile kamen 1956 in das Chorhaupt.

    Text: Peter Maier

  • add Grabdenkmäler (Epitaphien)

    Die Reformationstafel unter der Orgelempore erinnert an die erste evangelische Predigt hier am Sonntag Oculi 1594, gehalten durch Matthias Hafenreffer, Tübingen. Sie markiert den Übergang durch Kauf von der (katholischen, vorderösterreichisch bestimmten) Dorfherrschaft der Widmann von Mühringen an das (evangelische) Herzogtum Württemberg.

    Die beiden Epitaphien im Chor und die beiden unter der Orgelempore bezeugen die adlige Dorfherrschaft (ab 1602) der Familie Imhof (wohnhaft im Schloss), die in der Kirche ihr Grabrecht hatte.

    Ein weiteres Epitaph unter der Orgelempore sowie ein zweites außen am Turm erinnern an die Familie Knapp, die mehrere Generationen auf dem Einsiedel die herzoglichen Hofmeister stellte.

    Die Walker-Tafel (jetzt über der Orgelempore) mit dem Schwanen-Wappen und den zwei Geistlichen gedenkt der frommen Stiftung der alten reichsstädtischen Reutlinger Familie aus dem Jahr 1386, die hier einen Zweig hatte (getrennt 1698) und bis ins 20. Jahrhundert hier wohltätig wirkte.

    Text: Peter Maier

Unsere Buntglasfenster

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Predigt zu Kirchenfenstern

Zu den Fenstern im Chor unserer Martinskirche fand am 20.September 2009 ein Gottesdienst statt. Die Predigt dazu von Sigrid Gänzle ist in Auszügen in einer Broschüre zu den Fenstern abgedruckt. Diese Broschüre in hochwertigem Glanzdruck erhalten Sie in unserem Gemeindebüro.

Den Text zur Predigt von Frau Gänzle können Sie hier herunterladen.

 

 

  • add Die Geschichte unserer Glocken

    Einladung zum Gebet

    Die vier Glocken unserer Martinskirche läuten und schlagen mehrmals am Tag zu unterschiedlichen Zeiten und laden uns damit ein, in unserem Tagesablauf innezuhalten und auf sie zu hören.

    Aber wie und warum?

    Glocken im Allgemeinen gibt es seit über 5000 Jahren, seit ungefähr 1500 Jahren werden sie im Christentum als Rufinstrumente und als Zeichen für liturgische Handlungen eingesetzt.

    Glocken rufen zum Gebet und zur Fürbitte, sie zeigen Zeit und Stunde an und erinnern uns so an die Ewigkeit und unsere Vergänglichkeit. „Meine Zeit steht in Deinen Händen“.

    Es gibt zwei Funktionen jeder einzelnen Glocke:

    1. Jede Glocke, aufgehängt an einem stabilen Joch aus Holz, kann einzeln schwingen und damit ihren gusseisernen Klöppel in Bewegung setzen, so dass dieser die Glocke von innen anschlägt, die Glocke läutet.
    2. Die Glocke wird von außen mit einem Metallhammer angeschlagen, zu jeder ¼-Stunde und zweimal hintereinander (mit unterschiedlichen Tönen, weil unterschiedliche Glocken) zu der jeweiligen vollen Stunde mit der angezeigten Stundenanzahl.  Nachts wird die volle Stunde gedämpft und einfach geschlagen.  

    Die größte Glocke im Turm ist die Christusglocke, die vor allem bei Beerdigungen einzeln geläutet wird. Ihr Gewicht beträgt 1050 kg, sie ist, wie alle anderen Glocken auch aus Bronze gegossen und ihr unterer Durchmesser beträgt 119 cm. Dadurch kann sie den tiefsten Ton erklingen lassen, das tiefe e‘. Sie wurde wie die drittgrößte, die Evangelisten-Glocke 1950 von der Glockenfirma Heinrich Kurtz in Stuttgart gegossen, diese Glocke mit dem Ton a.

    Die älteste Glocke ist die Bet- oder Marienglocke, in deren Schulterumschrift zu lesen ist, dass sie im Jahr 1500 von Jos Eger in Reutlingen gegossen wurde und Maria geweiht ist. Allein ist sie nur beim Vater-Unser-Läuten während des Gottesdienstes zu hören und eine ½ Stunde vor einem Beerdigungsgottesdienst. Ihr Ton ist g/gis.

    Die kleinste Glocke ist die Taufglocke mit 247,5 kg und einem unteren Durchmesser von 74,5 cm und dem Ton c ‘‘. Sie wird einzeln bei der Taufe geläutet und ist im Jahr 1956 angeschafft worden.  

    (Quelle über die Geschichte der Glocken: Kirchentellinsfurt 400 Jahre württembergisch-400 Jahre evangelisch 1594 -1994 von Wilhelm Eberle und Peter Maier)  

    Morgens um 6.00 Uhr am Werktag läutet die Evangelisten-Glocke den Tag ein. Sie möchte uns an die Auferstehung Jesu Christi erinnern und uns zum Morgengebet rufen.

    Mittags um 12.00 Uhr lädt uns die Glocke zum Friedensgebet ein. Sie erinnert an die einbrechende Finsternis um 11.00 Uhr.

    Nachmittags um 15.00 Uhr läutet die Glocke, um an die Todesstunde Jesu Christi zu erinnern und uns zum Gebet für Gerechtigkeit/Dank zu rufen. Am Karfreitag läutet die Totenglocke um 15.00 Uhr 10 min. allein.

    Abends um 18.00 hören wir die Evangelistenglocke mit ihrem hellen Ton zum letzten Mal. Sie will uns zum Abendgebet, zur Bewahrung der Schöpfung, zum Lob Gottes am Ende des Tages auffordern.  

    Alle Glocken zusammen kann man nur zu den Gottesdienstzeiten hören, dann laden sie uns eine ½ Viertelstunde nämlich genau 7 min und 30 Sekunden ein, den Gottesdienst zu besuchen.  

    Auch wenn dem ein oder anderen die Bedeutung der läutenden Glocken nicht immer verständlich und klar ist, so haben ihre Klänge doch eine Wirkung auf uns. Sie lassen uns vielleicht mal innhalten in unserem Tagesablauf oder erinnern uns an ein altes Ritual. Ihr Klang wirkt manchmal beeindruckend, und die Glocken entlassen uns besonders an Heiligabend nach dem Gottesdienst mit ihren vollen Tönen in die dunkle Nacht vor Weihnachten.

    Eines sind sie aber immer, ein Zeichen von christlicher Gemeinschaft und der Zugehörigkeit zu Gott.

    Text von unserer Mesnerin Ute Deregowski